v.li.: IT-Comedian Tobias Schrödel, Wilhelm Hülsdonk (Vizepräsident), Frank Mund (Präsident) und Marcus Büttner (Hauptgeschäftsführer) alle drei vom Kfz-Verband NRW.

Mitgliederversammlung Kfz-Gewerbe NRW: zwischen „big Data“ und „dirty Diesel“

Das Kfz-Gewerbe in Deutschland muss sich aktuell mit den unterschiedlichsten Herausforderungen auseinandersetzen.

Die bereits seit 3 Jahren anhaltende unnötige Diskussion um Dieselfahrzeuge hat tiefe Spuren hinterlassen und sorgt für finanzielle Schwierigkeiten in den Unternehmen. „Das Problem hat einen konkreten Namen: Scheuer. Sein Schmusekurs mit den Automobilherstellern geht zu Lasten unserer Kunden und unserer Autohäuser!“, kritisiert Frank Mund, Präsident des Kfz-Gewerbes NRW auf der Mitgliederversammlung im Verbandshaus in Hilden. Indessen wächst der Flickenteppich der Fahrverbote. Neu hinzugekommen: Köln, Bonn, Essen und Gelsenkirchen. Zum ersten Mal ist jetzt auch eine Bundesautobahn von möglichen Fahrverboten betroffen.

Der Wertverlust von Dieselfahrzeugen schreitet fort, und die Politik lässt sich seit 2015 von der Automobilindustrie hinhalten. Grund: Der Neuverkauf von Fahrzeugen zu Lasten von Kunden und Autohäusern ist für die Hersteller erheblich lukrativer als Lösungen für den Altfahrzeugbestand. Dabei sind Hardwarenachrüstlösungen vorhanden! Rund 35.500 Kfz-Betriebe stehen zur technischen Umsetzung in den Startlöchern! Das Kfz-Gewerbe in NRW setzt sich seit Beginn der Dieseldebatte für die Hardwarenachrüstung von Euro-5-Fahrzeugen ein. Mit NRW-Umweltministerin Heinen-Esser konnte mittlerweile eine wichtige Mitstreiterin gewonnen werden. „Doch die Blockierer sitzen in Berlin. Deshalb werden Autohändler zu Autosammler!“ klagt Mund an.

Die gebrauchten Diesel der Abgasnormen Euro 4 und 5 sind unter dem Eindruck der anhaltenden Diskussion um Fahrverbote unverkäuflich. Die Unternehmen bekommen Probleme bei Gesprächen mit ihren Kreditinstituten. „Die lassen sich als erstes die Liste der Diesel aus dem Gebrauchtwagenbestand zeigen“, beschreibt der Präsident die Situation. Mund forderte auf der Herbstversammlung des Landesverbandes alle Mitglieder auf, die Entscheidungsträger auf allen politischen Ebenen mit den Sorgen und Nöten der Betriebe zu konfrontieren. „Treten sie ihren Abgeordneten auf die Füße!“, die Politik müsse über die Probleme der Händler mit der möglichen Gesetzgebung konfrontiert werden.

Die weitere Zukunft des Geschäftsmodells „Autohaus“ bleibt spannend. Die sich verändernde Partnerschaft zwischen Hersteller und Handel bereitet Frank Mund große Sorgen. Als große Herausforderung sieht Frank Mund die digitalen Möglichkeiten der Autohäuser bei der Gestaltung des Vertriebes und die Portfolio-Erweiterung um neue Geschäftsmodelle.

Die Digitalisierung ist ohnehin der Haupttreiber für Veränderungen in der Automobilbranche. Täglich produzieren Fahrzeuge Gigabytes an Daten. „Beschränkte sich in der Vergangenheit der Wettbewerb im Aftersale zwischen Markenbetrieben und freien Werkstätten, drängen nun neue Anbieter auf den Markt, die sich unmittelbaren Online-Zugang zu den von uns verkauften Fahrzeugen verschaffen und mit diesen Daten neue Geschäftsmodelle entwickeln“, warnt Mund.  

Der Kampf um Daten hat längst begonnen. Betroffen sind auch die IT-Netzwerke der Betriebe. Wie einfach es ist, sich mit ein wenig krimineller Energie und Hackersoftware in Firmennetzwerke unbemerkt Zugang zu verschaffen, demonstrierte auf anschauliche und unterhaltsame Weise „IT-Comedian“ Tobias Schrödel. Sprachlos verfolgten die Veranstaltungsteilnehmer wie einfach und schnell durch den Einsatz von entsprechender Software, Computer gehackt, Passwörter ausgespäht und die Daten, ohne dass es der Unternehmer bemerkt, abgegriffen oder verändert werden. Aber es gab auch hilfreiche Ratschläge und Tipps im Umgang mit diesen neuen Gefahren.